Vorsicht! - Brennender Bernstein

Bernstein am Kiesstrand

Ramona Heim – stock.adobe.com

Ein Spaziergang an den langen Stränden von Rügen, wie etwa der Schaabe oder den Küsten von Binz und Sellin, lädt viele Gäste zur Bernsteinsuche ein. Suchen Sie im feinen Ostseesand nach den goldgelben Steinen und nehmen Sie ein schönes Andenken an Ihren Inselurlaub mit nach Hause. Behalten Sie dabei aber immer eine große Gefahr im Hinterkopf. Immer wieder verwechseln Urlauber echten Bernstein mit gefährlichem Weißen Phosphor. Diese chemischen Klumpen sehen dem beliebten Rügen-Souvenir zum Verwechseln ähnlich. Stecken Sie die feuchten Fundstücke ahnungslos in Ihre Hosentasche, drohen bei der Trocknung schwerste Verbrennungen. Wir erklären Ihnen die genauen Hintergründe und geben Ihnen wichtige Sicherheitstipps für Ihre Suche an Rügens Stränden.

Inhaltsverzeichnis:

Die täuschende Ähnlichkeit der Steine an der Ostsee

Der gefährliche Stoff trägt einen etwas irreführenden Namen. Weißer Phosphor weist in der Natur eine goldbraune Färbung auf und gleicht dem echten Bernstein fast exakt. Auf den ersten Blick erkennen selbst erfahrene Sammler keinen Unterschied. Beide Materialien besitzen zudem eine sehr geringe Dichte. Sie wiegen weniger als das salzige Meerwasser der Ostsee. Daher treibt die Strömung beide Gesteinsarten besonders nach kräftigen Herbststürmen an die Strände der Insel Rügen. Heben Sie solche Fundstücke auf, legen Sie diese niemals direkt in Ihre Kleidung. Behandeln Sie jeden gefundenen Stein an der Rügener Küste zunächst mit größter Vorsicht.

Herkunft des Weißen Phosphors vor der Insel

Der Weiße Phosphor stammt aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Britische Flugzeuge warfen damals zahlreiche Brandbomben über der Ostsee ab. Zudem versenkten deutsche Truppen gegen Kriegsende große Mengen an chemischer Munition im Wasser, auch in den Gewässern rund um Rügen. Die metallischen Hüllen dieser Bomben rosten seit vielen Jahrzehnten am Meeresgrund vor sich hin. Dadurch entweicht der gefährliche Inhalt kontinuierlich in die See. Die Strömung transportiert die giftigen Klumpen schließlich an die Strände von Rügen, besonders an die windzugewandte Ostküste und die Halbinsel Jasmund.

Die extreme Brandgefahr beim Trocknen an der Luft

Das Material reagiert extrem aggressiv auf Sauerstoff. Sobald ein nasser Phosphorstein an der Luft trocknet, entzündet er sich von ganz allein. Die Flamme erreicht dabei sofort Temperaturen von über 1200 Grad Celsius. Tragen Sie einen solchen Stein während Ihres Strandspaziergangs in Ihrer Kleidung, trocknet das Material durch Ihre Körperwärme besonders schnell. Das führt in kürzester Zeit zu lebensgefährlichen Verbrennungen. Löschen Sie das Feuer auf keinen Fall mit normalem Ostseewasser. Bei dem Verbrennungsprozess entstehen zudem hochgiftige und stark ätzende Dämpfe. Atmen Sie diese Gase unter keinen Umständen ein.

Richtiges Verhalten im Ernstfall und Erste Hilfe

Beginnt ein vermeintliches Bernsteinstück in Ihrer Hand oder Kleidung zu brennen, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Weißen Phosphor – einen Kampfmittelrückstand, der Bernstein täuschend ähnlich sieht und sich an der Luft selbst entzündet. Jetzt zählt jede Sekunde:

  • Sofort ins Wasser gehen und die betroffene Kleidung im Wasser ausziehen – Wasser kühlt den Phosphor und schneidet ihn vom Sauerstoff ab.
  • Arme oder Beine durchgehend unter Wasser halten, da sich der Phosphor an der Luft sofort wieder entzündet.
  • Kein Wasser erreichbar? Die Flammen großzügig mit möglichst feuchtem Sand ersticken.
  • Notruf 112 wählen und ausdrücklich den Verdacht auf Kampfmittelkontakt (Weißer Phosphor) nennen – auch bei kleinen Verletzungen, da das Material hochgiftig ist und tiefe Verätzungen verursacht.
  • Bei Verletzungen am Rumpf nicht dauerhaft im Wasser bleiben (Unterkühlungsgefahr): Flammen ersticken, Wunden möglichst steril abdecken und auf die Rettungskräfte warten.

Wichtig: Fassen Sie den Fund niemals erneut an und tragen Sie ihn nicht bei sich – melden Sie Verdachtsstücke dem zuständigen Kampfmittelräumdienst.

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